01.04.2012

Ich habe Karies – was ist das eigentlich?

Im Fach-Chinesisch ist Karies die Entmineralisierung von Zahnhartsubstanz.

Sind Sie jetzt klüger? Wenn nicht, dann sollten Sie weiter lesen.

Okay, fangen wir mal ganz am Anfang an: Das Harte am Zahn besteht aus Kristallen. Diese Kristalle haben auf der atomaren Ebene eine regelmäßige Gitterstruktur. Durch die Einwirkung von Säure werden einzelne Ionen aus dem Gitter raus gelöst. Diese Ionen gehen in den Speichel und nach einer gewissen Zeit werden sie wieder in das Ionengitter eingebaut. Dann ist also nichts passiert. Wir sprechen hierbei von der Ionenwippe. Ganz anders, wenn nicht genügend Zeit ist zwischen den Säureangriffen liegt: Dann verliert man immer mehr Ionen, als man zurück gewinnt – und irgendwann ist das Loch da!

Das verursacht Karies

Jede Säure, die direkt auf die Zähne einwirkt, wird diese entmineralisieren. Die häufigsten Säuren sind:

  • Softdrinks
  • Fruchtsäfte (insbesondere Apfelsaftschorle!)
  • Früchte (Erdbeeren, Kiwi, Kirschen, Äpfel, usw.)
  • Essig-Dressings
  • etc.

Essen wir etwas, das Zucker enthält, wird dieser Zucker von den Bakterien in unserem Mund zu Säure verdaut. Und dann haben wir einen weiteren Säureangriff. Wenn wir kurzkettige Kohlenhydrate essen, wie z. B. Weizen oder Dinkel, dann werden diese Ketten durch ein besonders aktives Enzym (die Alpha-Amylase) im Speichel in die einzelnen „Kettenglieder“ (nämlich Zucker) zerteilt. Dieser Zucker wird dann wiederum von den Bakterien zu Säure verdaut, womit wieder ein Säureangriff entsteht.

Testen Sie das mal:

Eine Brezel oder ein Salzstängelein etwas länger als üblich kauen – Sie werden sich wundern, dass es plötzlich süß schmeckt. Das alles erfahren Sie im Details bei einer professionellen Zahnreinigung bei unseren DHs.

Sehen Sie sich zu diesem Thema unbedingt auch Folge 1 von „WIMA sagt wie’s ist“ an!

Karies-Prophylaxe: Das traditionelle Bild der Karies muss sich wandeln

Verteidigung ist die eine Seite: Putze zwei Mal am Tag, morgens vor dem Frühstück (weil dann die über Nacht gewachsenen Bakterien keinen Schaden mehr anrichten können) und abends vor dem Schlafengehen. Wir benutzen dafür eine Oral-B- oder Elmex-Handzahnbürste oder die Philipps SONICARE (da müssen wir Ihnen jedoch vorher eine „Trainerstunde“ geben). Wir benutzen außerdem Zahnseide oder Interdentalbürsten und wir als Zahncreme „Colgate TOTAL“.

Angriffe reduzieren ist der entscheidende Punkt

Je seltener Sie am Tag Säure im Mund haben oder produzieren, desto geringer ist das Kariesrisiko. Dabei gilt als Faustregel, dass 15 Minuten zwei Angriffe trennt.

Ein Beispiel: Wenn Sie sich innerhalb weniger Minuten eine 300g-Tafel Schokolade genehmigen, dann ist das für die Zähne nur ein Angriff. Wenn Sie die Tafel aber stückchenweise über mehr als 15 Minuten verteilen, dann haben Sie dadurch mehrere Angriffe auf Ihre Zähne. Die Konsequenz: Durch Frühstück, Mittag- und Abendessen werden bereits 3 Angriffe generiert. Nun haben Sie nur noch drei weitere Angriffe pro Tag „frei“. Danach steigt ihr Kariesrisiko an!

Patienten mit reduziertem Speichelfluss oder „dry mouth“

Speichelarmut kann bedingt sein durch Medikamente (z. B. Betablocker bei Herzinfarktpatienten) oder durch endogene Faktoren (also derzeit unbekannte Faktoren). Wenn Sie zu wenig Speichel haben, dann funktioniert der oben beschriebene Mechanismus der Remineralisierung nicht mehr. Die Folge ist eine enorm gestiegene Kariesanfälligkeit! Wenn Sie also solche Medikamente nehmen müssen, die den Speichelfluss, dann melden Sie sich schnellstens bei uns!